Wer vom Leben noch nicht gänzlich aller Illusionen und Emotionen beraubt wurde, der ist bei JUNGER richtig. Denn die vier Musiker aus dem hohen Norden Österreichs haben es sich zur Aufgabe gemacht, die kleinen noch verbliebenen Inseln der verborgenen Sehnsüchte zu ergründen. Mit kEIN LAND IN SICHT liegt jetzt das Erstlingswerk der Mittvierziger vor, in welchem sich viele Jahre intensiver Arbeit, in ihrem als „Walfischbauch“ bezeichneten Kreativraum, nun mit großer Wucht und großen Gefühlen entladen. Musikalisch spannt die Band dabei einen erstaunlich weiten, schillernden und vor allem eigenständigen Bogen. Vom kraftvollen Titelsong „kEIN LAND IN SICHT“, der genauso gut aus der Feder von Monster Magnet stammen könnte und wie die tanzbaren Kracher „Sensation“ oder „Wer, wenn nicht wir“ an eine Vergangenheit in härteren musikalischen Gefilden erinnert, über die packenden „Kein Tag für Helden“ oder „Flugverbot“, bis hin zum zerbrechlichen „Unendlich fern“, das ganz tief nach Innen geht. Man hat das Gefühl einer alten Seele zuzuhören, wenn Sänger und Mastermind Hans-Peter Junger mit charismatischer Stimme seine Geschichten von der Liebe und vom Scheitern, von Leid und Leidenschaften vorträgt, während sich melodienreich sanfter „laid-back“ Sound in die Gehörgänge der Zuhörer spült, ehe unvermittelt tobend ein Orkan losbricht bis Deck und Luken geflutet sind. Der Sound ist dabei bewusst ruppig und roh gehalten und führt vom ausgereizten High-End Perfektionismus der letzten Jahrzehnte zurück in die Garage, wo alles ehrlich, echt und erlaubt ist. Wenn man dann am Ende dieser großen Fahrt noch bei „Nicht von dieser Welt“ mit JUNGER am Lagerfeuer sitzend zum Sternenmeer aufblickt, bekommt man eine Ahnung vom inneren Reichtum dieser Band und der seltenen Magie, die sie umweht.

"Lass los von dem, was dich beschwert
und steig in Gedanken himmelwärts"